Wir alle lügen – auf jeden Fall vielleicht

Alles Lüge oder was?

Eine Lüge ist eine Aussage, die nicht der Wahrheit entspricht. Und die Wahrheit beruht auf Faken, die nachweisbar sind. Somit ist eine Lüge die Wiedergabe falscher Fakten.

Die politische Lüge (Trumpismus)

Es gibt wohl keinen Politiker, der mehr Lügen bzw. falsche Fakten verbreitet hat, als Donald Trump. Und es stellt sich die Frage, warum dieser Mann so viele Unwahrheiten verbreitet hat. Das ist m.E. ganz einfach zu erklären: Trump hatte nicht damit gerechnet, zum Präsidenten der USA gewählt zu werden und stand als politisch unerfahren von einem Tag zum anderen vor einer Aufgabe, der er bei weitem nicht gewachsen war. In dieser Hinsicht sind die Trumplügen zunächst offenbar aus der Not geboren. Dabei ging er psychologisch sehr geschickt vor, indem er seinen eigenen Lügen später häufig widersprach bzw. die Presseberichte über seine Lügen als Lügen bezeichnete und den Begriff Lügenpresse prägte. In der Psychologie nennt man diese verwirrenden Botschaften `Paradoxen Intervention´. So sprach er seiner Anhängerschaft stets nach dem Maul, wie es die Situation jeweils erforderte. Und durch sein respektloses cowboyhaftes Auftreten konnte er seine Fans schließlich in Begeisterung versetzen.

Die Abwahl von Donald Trump lässt sich durch Martin Luther (deutscher Reformator 1483-1546) kommentieren, der da sagte (Quelle Bild der Frau): 

„Eine Lüge ist wie ein Schneeball. Je länger man ihn rollt, desto größer wird er“

Was ist eine Lüge – Wikipedia sagt:

„Eine Lüge ist eine Aussage, von der der Sender (Lügner) weiß oder vermutet, dass sie unwahr ist, und die mit der Absicht geäußert wird, dass der Empfänger sie trotzdem glaubt,[1] oder anders formuliert „die (auch nonverbale) Kommunikation einer subjektiven Unwahrheit mit dem Ziel, im Gegenüber einen falschen Eindruck hervorzurufen oder aufrecht zu erhalten [sic].“[2]

Und warum lügen wir?

„Lügen dienen dazu, einen Vorteil zu erlangen, zum Beispiel um einen Fehler oder eine verbotene Handlung zu verdecken und so Kritik oder Strafe zu entgehen. Gelogen wird auch aus Höflichkeit, aus Scham, aus AngstFurchtUnsicherheit oder Not („Notlüge“), um die Pläne des Gegenübers zu vereiteln oder zum Schutz der eigenen Person, anderer Personen oder Interessen (z. B. PrivatsphäreIntimsphäre, wirtschaftliche Interessen), zwanghaft/pathologisch oder zum Spaß“ (Wikipedia).

Lügen im täglichen Umgang

58 Prozent der Deutschen nehmen es mindestens einmal täglich mit der Wahrheit nicht so genau….zeigt eine repräsentative Umfrage mit 1024 Frauen und Männern zwischen 18 und 69….`Zu welchen Menschen waren Sie gestern unehrlich, selbst wenn es zum Guten war?´ Ach das wollten die Marktforscher wissen.

Bekannte….44%

Partner….34%

Arbeitskollegen….33%

Enge Freunde….28%

Vorgesetzte….19%

Und wie?

Im direkten Gespräch….73%

Am Telefon….22%

Per SMS/E-mail/Brief….23%“

(Psychologin Susanne Gastdorf in Bild der Frau Nr.8)

Es gibt eine Studie des Max-Planck-Instituts, die herausgefunden haben will, dass Männer mehr lügen als Frauen und Jüngere mehr als ältere. Nun geht es hier allerdings um Lügen in `abgeschwächter Form´, die mehr oder weniger als Ausrede oder Schummeln bezeichnet werden. Was haben wir denn da?:

Die Höflichkeitslüge

Die Höflichkeitslüge ist meist nett gemeint und bezieht sich nicht unbedingt auf harte Fakten, sondern um die Bewertung mehr oder weniger belangloser Dinge. 

Beispiel: Dein neues Kleid passt dir wie angegossen. Dein Essen schmeckt mal wieder vorzüglich! Du siehst phantastisch aus!

Zugabe: Eine kleine Anekdote über Prinz Philip von England, auf einem Empfang:

Philip: Ihr schönes Kleid my Lady passt genau zu ihrem Gesicht!! (Die Lady trug einen Faltenrock) 🙂 

Die Vermeidungslüge

Wenn man etwas vermeiden will, zu dem man gar keine Lust hat, lässt man sich so manches einfallen, um dem zu entgehen.

Beispiel: Ich würde ja schrecklich gern zu diesem Konzert mitkommen, aber ausgerechnet heute Abend habe ich eine Dienstbesprechung (oder was einem sonst so einfällt)

Die Liebeslüge

Wenn man eine Liebes-Beziehung aufgeben will, weil man sich `neu verliebt´ hat, dann fällt es oft schwer, dem Partner das mitzuteilen.

Beispiel: Du weißt, wie sehr ich dich liebe, aber ich bin derzeit beruflich so eingespannt, dass ich die ganze nächste Woche keine Zeit für dich habe.

Die Beziehungslüge

In ehelichen sowie auch nicht ehelichen Lebensgemeinschaften zwischen Mann und Frau wird sehr oft gelogen, wenn es um Bedürfnisse geht, denen der jeweilige Partner nicht nachkommt. Die sexuell-emotionale Beziehungsebene ist hier oft – wenn auch meist verdeckt – der Auslöser.

Beispiele würden den Rahmen dieses Artikels sprengen, weil die Parameter der `Beziehungsprobleme´ zu umfassend sind. 

Die Eltern-Kind-Lüge

Eltern sollte ihre Kinder nur dann anlügen, wenn es um den Schutz ihrer Kinder geht. In frühem Alter ist das sicher vertretbar. Außerdem sollten die Kinder schon lernen, dass man aus Höflichkeit nicht immer sagen sollte, was man denkt.

Kinder dagegen lernen schon in frühem Alter, wie sie sich von ihren Eltern Zuwendung und Beachtung verschaffen. Das Weinen allein ist hier der Auslöser und ein Garant für Zuwendung. Aber nur der Anlass (wie zB eine ernsthafte Verletzung) sollte eine notwendige Beachtung der Eltern finden.

Die Notlüge

Die Notlüge kann auch als `Ausrede´ gesehen werden, wenn es um existenzielle Probleme bzw. auch berufliches Versagen geht. Auch schulisches Versagen ist hierfür ein viel zitiertes Beispiel. 

Beispiel: Ich konnte heute mal wieder nicht pünktlich zum Dienst kommen, weil mein Wecker nicht geklingelt hat, der Bus zu spät gekommen ist, mein Fahrrad einen platten Reifen hatte u.v.m. Sehr häufig werden auch Krankmeldungen genutzt, wenn man berufliche Aufträge umgehen will.

Beispiel: Ich konnte meine Hausaufgaben nicht machen, weil unser Hund das Arbeitsblatt zerfetzt hat.

Die `Alles gut´ – Lüge

`Alles gut!!´ oder `Alles gut?´ ist eine willkommene Gelegenheit jeder Art von Kommunikation aus dem Weg zu gehen. Deshalb würde ich es zum `Unwort des Jahres´ erklären. 

001_Alles_gut_Lüge

Hasslüge und Fake-News

Unter dem vermeintlichen Schutz des Internets werden Falschmeldungen verbreitet, um die Bevölkerung politisch zu manipulieren. Über die Querdenker-Bewegung im Rahmen der Covid-19 Pandemie, die sich zum Teil auch aus der Q.Anon Bewegung aus den USA rekrutiert hat, spricht heute keiner mehr. Insbesondere auch die Populisten der rechten Szene sind insbes. in facebook sehr umfassend vernetzt und nutzen die Gelegenheit, Hass zu verbreiten. Dieser Hass richtet sich überwiegend gegen alles `Fremde´, vor gegen allem Ausländer und Immigranten. Die Holocaust-Leugnung (Ausschwitzlüge) ist dabei die Spitze des Eisbergs. 

Fakt ist auch

Nicht zuletzt wurde das Referendum in England, das zum Brexit führte, durch eine aufwendige Verbreitung von Fake-News in der englischen Bevölkerung vorbereitet.

Liebe Leser,

Ab wann ist für euch eine Lüge verfänglich und moralisch nicht mehr vertretbar?

PJP

4 Kommentare zu “Wir alle lügen – auf jeden Fall vielleicht

  1. Danke für das interessante Thema und die Frage am Ende. Im Grunde halten wir Lügen für meist nicht vertretbar. Wir lieben die Wahrheit, weil wir durch Lügengebäude unser ganzes Leben gequält werden. Auch gesellschaftliche Tabus sind Lügen. Lügen, die von einer Mehrheit akzeptiert oder gar gewünscht werden, weil deren Leben dann viel einfacher ist und zwar auf Kosten derer, denen verboten wird die Wahrheit zu sagen und damit aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Es geht um den Ausschluss von Minderheiten, das halten wir für unerträglich.
    Daher finden wir jede Form der Lüge ist eine Bankrotterklärung für eine Gesellschaft. Zur „Höflichkeitslüge“ finden wir, es ist möglich, anderen die Wahrheit zu sagen, selbst wenn sie kritisch ist, ohne verletzend zu werden. Denn niemand kann ehrlicherweise über jemand anderen urteilen. Wenn wir jemanden ablehnen und sagen, was uns stört, heißt es nur, dass wir ein Problem mit der anderen Person haben. Wozu lügen? Unser Statement kann zutreffen oder auch nicht. Fair ist die Wahrheit, dann kann die andere Person für sich prüfen, ob es stimmt, was wir denken oder aber erkennen, dass wir unser Problem mit der Person nicht reflektiert hatten und es nichts mit der anderen Person zu tun hatte, oder wir die andere Person einfach nicht genug kennen und vorschnell ein Urteil gefällt haben, ohne die Hintergründe zu kennen. Wenn wir aber lügen, und „höflich“ ein Kompliment machen hinter dem wir nicht stehen, beenden wir ohne es offen auszusprechen die Kommunikation. Kontakt ist dann nicht mehr möglich. D.h. wir weisen die Person zurück, obwohl wir freundliche Worte sagen. Was bringt das? Jede*r fühlt, wann er/sie zurückgewiesen wird, wenn sich jemand abwendet? Da ist es fairer dazu zu stehen und offen zu sagen, wenn ein Kontakt für uns nicht möglich ist. Etwas nicht zu sagen, halten wir aber nicht für eine Lüge. Es ist also öfters angebracht einfach den Mund zu halten, wenn wir unüberlegte kritische Gedanken haben. ….. Aber wir wissen, dass wir mit dieser extremen Ansicht leider sehr alleine dastehen. Wir leiden unter Lügen fast aller Art. Die einzige Lüge, die wir akzeptieren ist die Notlüge. Wenn es darum geht, das eigene Leben oder das Leben anderer zu retten z.B. in Diktaturen bzw. gegenüber Gewalttätern, die eine*n bedrohen. Da ist es sinnvoll zu lügen, wenn es dem Überleben oder gar für der Flucht dient. Sonst halten wir lügen immer für verwerflich.
    Übrigens gibt’s keine „falschen Fakten“, wie du eigentlich wunderbar ausführst, den Begriff aber dennoch verwendest. Dieser Begriff ist ein Wiederspruch in sich, wie z.B. ein schwarzer Schimmel (Pferd), trockenes Wasser …. das gibt’s einfach nicht. Solche Begriffserfindungen nennt man Oxymoron. Trump wollte mit dieser Wortkreation sich in ein gutes Licht stellen und ungebildete Anhänger sind darauf reingefallen. Am Besten wäre, denken wir, dieser unsägliche Begriff wird nicht mehr gebraucht, weil er einfach keine Aussage darstellt. ….
    Wir sind jetzt wirklich neugierig, wie unser Kommentar ankommt, der doch manche Provokation beinhalten könnte.
    Liebe Grüße
    „Benita“

    Gefällt 1 Person

    • Guten Morgen Benita u.a.,
      Kommentare sind in meinem Blog rar gesät, und nun bin ich begeistert über deine oder eure (?) ausführlichen Worte!!
      Ich finde es so wichtig, Gedanken zu teilen, damit man nicht ganz allein mit seinem öffentlichen Tagebuch bzw. Blog dasteht. Alles eine Sache der (Lebens)-Erfahrungen, die so wichtig sind.
      Persönlich habe ich mir in meiner privaten Kommunikation angewöhnt, immer zu sagen, was ich denke, aus der Erfahrung heraus, das es mich persönlich bereichert. Das kündige ich meinen PartnerInnen (das Sternchen kann ich noch nicht) auch immer an, damit sie es auch tun (sollen).
      Komplimente mache ich immer gern, wenn ich sie wirklich ernst meine, und das tut uns allen mal gut. Und mit Kritik halte ich mich keineswegs zurück, da mir das ewige Liken im Netz voll auf den Nerv geht. Das scheint für für viele User schon eine Sucht zu sein, möglichst viele dieser Likes, die nix aussagen, zu erhalten.
      Schließlich mutieren wir alle mehr oder weniger zu `Marionetten des Internets´ (anderes Thema).
      Ich liebe es, `verrückte Begriffsfindungen´ zu kre-ieren, aber spontan fällt mir gerade nix ein, bis auf den trockenen Rotwein, den es eigentlich nicht gibt. Der Begriff Oxymoron war mir noch nicht geläufig! Vielen Dank!
      So, ihr Lieben, ich muss mich jetzt sputen, da ich derzeit im Garten wühle mit ganz viel Boden unter den Füßen!! Waren über viele Jahre ziemlich `eingewachsen´.
      Ich hoffe, wir bleiben irgendwie in Verbindung! Denn ich hätte noch einiges zu teilen auf Lager!!
      Passt gut auf euch auf mit lieben Grüßen zurück!
      Jürgen aus Loy (PJP Pseudo im Netz)

      Gefällt mir

      • Danke, danke und danke…diese Worte kann ich gerade jetzt soo gut gebrauchen!!
        Ich hätte eigentlich im Garten zu tun, doch jetzt regnet es…
        Und da ich ja nun Hobbymusiker bin und zufällig erfuhr, dass David Gilmour (Pink Floyd) heute Geburtstag hat, hab ich ihm eine Widmung geschrieben. Ich hab`s einfach ohne Recherche kurz so geschrieben, wie es mir einfiel. Das Titelbild haben 2 kleine Kinder vor ein paar Tagen gemalt, und ich hatte es eigentlich nur für die beiden fotografiert. Passt zu The Wall, hab ich mir gedacht, weil ich bei einem geklauten Bild immer Angst wegen des Copyrights habe. ich höre immer noch The Wall (die 2. Seite), weil ich damit mal richtig runterkommen kann.
        Ich hab meinen Bericht mit diesem Konzert beendet…bei Interesse:

        Macht`s gut ihr Lieben! Ich brauch jetzt `n Tee…
        Lieben Gruß
        Jürgen aus Loy
        P.S. Der link funktionierte nicht..?..

        Gefällt 1 Person

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