Verborgene zwischenmenschliche Beziehungen

`Haupthistokompatibilitätskomplexmolekül´, ein schwieriges Wort, das lange zu meinem Sprachschatz gehört. Da ich es `flüssig´ aussprechen kann, erlaube ich mir hin und wieder den Spaß, es in Gesprächsrunden mit Freunden oder Bekannten einzubringen, die dann ganz konsterniert aus der Wäsche gucken und schweigen… oder fragen `was ist das denn?´ Auf diese Frage möchte ich möchte ich in meinem Artikel nun etwas näher eingehen. Jeder Mensch hat einen sog. Haupthistokompatibilitätskomplex (engl. Abkürzung MHC-Gene). Aber wozu dienen diese Anlagen? In der körpereigenen Funktion sind diese Gene für die Steuerung des Immunsystems mitverantwortlich, der es diesem ermöglicht, `Selbst´ von `Fremd´ zu unterscheiden. Es gibt mindestens 20 dieser MHC-Gene und 100 verschiedene Ausprägungsgrade, d.h. sie sind bei jedem Menschen – außer bei eineiigen Zwillingen- ganz individuell unterschiedlich angelegt. Aber auf diese wissenschaftliche Betrachtung möchte ich als Laie nicht näher eingehen. Es geht mir vielmehr darum, dass der Eigengeruch eines Individuums an den MHC-Genen gekoppelt ist, d.h. jeder Mensch besitzt einen individuellen Eigengeruch, der nur von Hunden gerochen werden kann. Das ist ein Geruch, den wir Menschen zwar nicht riechen können, den wir jedoch unbewusst aufnehmen. Dabei wird er von unserem Gehirn registriert und verarbeitet. „Diese subtile Wahrnehmung beeinflusst u. a. die Mutter-Kind-Bindung, die Partnerwahl, die Inzestschranke sowie die Fehlgeburtenrate“ (Lexikon). An dieser Stelle möchte ich meine Ausführungen zu diesem Thema beenden und verweise auf den Arzt Jan Hindermann (Hannover), der folgenden Artikel dazu geschrieben hat: „Es ist unglaublich, wie viel wir Menschen (und auch andere Lebewesen) in unseren Körpergeruch kodieren. Wenn wir andere Menschen riechen, erfahren wir nicht nur ob, und wenn ja welches Parfüm/Deo er/sie verwendet, oder wann/ob er/sie das letzte Mal geduscht hat – nein, wenn wir jemanden vom anderen Geschlecht riechen, dann schlüsselt unser Gehirn automatisch auf, wie gut ihr beide sexuell-biologisch zueinander passt. Ich habe mal in einem Fachartikel über Familien- und Verwandtschaftspsychologie (fragt nicht) gelesen, dass Menschen mit einem stark unterschiedlichen MHC (major histocompatibility complex – Haupthistokompatibilitätskomplex) weniger geneigt sind, fremdzugehen – und der MHC ist irgendwie im Geruch des Menschen kodiert, versteckt sich also irgendwo unter Pheromonen, vermute ich als Nicht-Wissenschaftler mal. Warum sind MHC-ähnliche Partner also eher untreu? Einfach: in den MHC sind u.a. Informationen über unser Immunsystem und unsere Gene kodiert. Die größte Ähnlichkeit im MHC habt übrigens ihr und eure Geschwister. Danach kommen Eltern, Großeltern, etc. pp. Deswegen – und auch aufgrund des Westermarck-Effekts – seid ihr rein bio-chemo-psychologisch nicht dazu geneigt, mit euren Geschwistern Kinder zu zeugen. Zurück zu den Partnern. Dekodiert unser Hirn einen ähnlichen MHC, denkt es sich: „oha, der/die hat ein Immunsystem, das meinem zu großen Teilen gleicht! Wenn wir Kinder bekommen, dann wird deren Immunsystem mit einer größeren Wahrscheinlichkeit darunter leiden.“ (Das ist auch einer der Gründe, warum Inzucht zu vermeiden ist. Immunsystem am Arsch in dem Fall. Ausnahmen gelten, wenn du dein eigener Großvater bist. Übrigens, und das fand ich das wirklich Interessante hierbei, ändern sich die MHC-Präferenzen bei Frauen, die z.B. die Pille nehmen – dann sind sie nämlich eher Partnern zugeneigt, die einen ähnlichen MHC aufweisen! Versteh das einer. Vermutlich weil der Körper sich denkt „he, ich sollte vielleicht nicht einen Mann ‚belegen‘, der Kinder zeugen kann, aber nicht mit mir.“ Nur so ‚ne Vermutung. Ich bin Arzt Programmierer und kein Psychologe. Unsere Nase arbeitet sehr diskret, wenn es um den MHC und Pheromone geht; bei manchen Tierarten reicht ein nicht riechbarer Anteil an gewissen Duftstoffen aus, um diverse Dinge zu signalisieren. Das gleiche gilt für uns Menschen: das alles geschieht subtil. Wir müssen nicht, wie manche Tiere, erst am Körper des potentiellen Partners schnüffeln – das ist rein optional und wird zur Kontaktaufnahme mit Fremden nicht empfohlen. Da gehste zum Vorstellungsgespräch, alle beschnüffeln sich erstmal, dann geht’s los. So könnte das bei Hunden ablaufen. „So, Herr Bello, Ihre Referenzen sind einwandfrei und Ihr Hintern riecht auch gut… wann können Sie anfangen?“ Und noch ein Warnhinweis… „Ich liebe, wie unterschiedlich unsere MHC sind“ wird bei den meisten ein WTF hervorrufen. Wobei das schon sehr interessant wäre: Samstagabend in der Disko, du gehst zu einer Frau hin, und willst sie ansprechen… aber first things first, und du riechst erstmal unter ihrem Arm. 😀 (Bzw. mit umgekehrten Geschlechtern für weibliche Leser. Sofern es die denn hier gibt. Sofern es überhaupt Leser auf diesem Blog gibt. *forever alone* Es ist schon irre, wie unsere Körper so subtil versuchen, einen möglichst idealen Partner zu bekommen – einfach dadurch, dass Informationen über uns in unserem Körpergeruch kodiert sind. Ich habe leider keine Ahnung, wie sich Deo/Parfum auf den Geruch auswirken, aber es würde mich ehrlich gesagt nicht wundern, wenn das Hirn das auch noch wegfiltern kann.“ Vielen Dank Pete J. Probe

8 Kommentare zu “Verborgene zwischenmenschliche Beziehungen

  1. Das Thema ist nicht so ganz einfach, weil wir das Wort weder kannten noch flüssig aussprechen können 🙂 und uns damit noch nicht so sehr befasst haben. Wir denken beide, dass „sich gut riechen können“ ein positiver Faktor neben vielen anderen Dingen für menschliche Beziehungen sein kann. Wobei wir Menschen ja alles mögliche versuchen, den Eigengeruch nicht an die Luft kommen zu lassen (Parfüms, Deos sogar solche die Körpergerüche neutralisieren sollen, Raumsprays, Duftbäume etc.). Auf der anderen Seite stellen wir uns auch die Frage, warum es Menschen gibt, die wir sympathisch finden, ohne mit Ihnen gesprochen zu haben? Und by the way: Das Wort ist gemerkt, die Aussprache üben wir noch und werden es sicherlich bei der nächsten geselligen Runde mal einfließen lassen!

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    • Hallo, Mensch, ihr habt euch ja richtig ins Zeug gelegt…aber wie gesagt, es geht um Körpergerüche, die wir nicht riechen können, sondern unbewusst wahrnehmen, die aber vom Gehirn registriert und verarbeitet werden. Das wäre doch die passende Antwort auf eure Frage…
      Vielen Dank und liebe Grüße
      Pete J. Probe

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  2. Jawoll, Faktenwissen mit stilistischem Unterhaltungswert! Das hat was… 🙂
    Ich glaube, dass der unbewusste Körperkompatibiltätsgeruch sowohl Wegbereiter als auch ebensowohl unbewusster Ankerpunkt in einer Beziehung sein kann. Je kompatibler, desto effektiver. Wobei ich mich frage, was ein inkompatibler Geruch bei ansonsten favorablen Eigenschaften wie Aussehen, Charakter etc. bei unserer Einstellung zum Gegenüber hervorruft. Wie effektiv wirkt dieser Haupthistokompatibilitätskomplex? Ich kann mir vorstellen, dass einiges dahintersteckt, obwohl oder gerade auch weil es unterbewusst abläuft.
    Viele Grüße!

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  3. Hallo Jonas u. a.
    Ich habe versucht, nochmal nachzulegen, inwieweit sich der MHComplex abgesehen von der Beziehung zum jeweils anderen Geschlecht auf unsere Beziehungsgestaltung auswirkt, habe aber keine Hinweise darauf gefunden. Ich bin aber auf die sog. Psychobionik gestoßen, die allerdings einen anderen Zugang zu der menschlichen Beziehungsfähigkeit sucht. Inwieweit der MHComplex hier mitspielt, kann ich nicht beurteilen. Hier mal ein link zur Psychobionik:
    http://trobado.de/beziehungen-konflikte/
    Schönes Wochenende u. Gruß an Family
    PJP aus Loy

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